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Auf die Anwärter wartet im Vollzug eine anspruchsvolle Berufsausbildung. Um geeignete Bewerberinnen und Bewerber rekrutieren zu können, sind Sonderzuschläge unverzichtbar.

Anw√§rtersonderzuschlag: Finanzminister pr√ľft Zuschlagsh√∂he f√ľr den Einstellungsjahrgang 2023

Der Finanzminister des Landes hat im vergangenen Jahr einer moderaten Anhebung der Zuschl√§ge zugestimmt. Seither betr√§gt der Zuschlag f√ľr den Allgemeinen Vollzugsdienst und f√ľr den Werkdienst jeweils 70 Prozent des Anw√§rtergrundbetrages. Der BSBD NRW hatte eine Erh√∂hung der Zuschl√§ge f√ľr beide Laufbahnen auf 90 Prozent der Bemessungsgrundlage gefordert.

Hierzu hat sich die Landesregierung nicht durchringen k√∂nnen. Der BSBD NRW anerkennt zwar ausdr√ľcklich, dass mit der erneuten Anhebung ein wichtiger Schritt unternommen wurde, sieht in diesem Bereich aber weiteren und dann abschlie√üenden Handlungsbedarf.

Der Arbeitsmarkt ist aktuell von dem Ph√§nomen gekennzeichnet, dass Fachkr√§fte immer seltener zu finden sind. Die Knappheit sorgt daf√ľr, dass qualifizierter Nachwuchs stark umworben wird. Folglich m√ľssen gro√üe Anstrengungen unternommen werden, dass sich geeignete Bewerberinnen und Bewerber in ausreichender Zahl f√ľr ein berufliches Engagement im Strafvollzug finden.

Professionelle Werbung ist nicht genug, auch die Finanzen m√ľssen stimmen

Die Intensivierung und Professionalisierung der Werbung, der anerkennenswerte Einsatz der Vollzugsbeh√∂rden hat dazu gef√ľhrt, dass geeigneter Nachwuchs f√ľr den Mindestbedarf gewonnen werden konnten. Es bestehen jedoch immer noch erhebliche personelle Vakanzen. Um in einem kleiner werdenden Bewerberpool k√ľnftig erfolgreich sein zu k√∂nnen, ist es nach Auffassung des BSBD NRW sinnvoll, nunmehr den letzten Schritt zu gehen und den Anw√§rtersonderzuschlag f√ľr die beiden genannten Laufbahnen auf 90 Prozent des Anw√§rtergrundbetrages zu erh√∂hen.

Die Entwicklung auf dem auch durch die Pandemie gepr√§gten Arbeitsmarkt hat die Gewinnung geeigneten Nachwuchses nicht nur f√ľr den Strafvollzug deutlich versch√§rft. Die bereits aus der Vergangenheit bekannten Schwierigkeiten, geeignete Nachwuchskr√§fte f√ľr ein berufliches Engagement im Strafvollzug zu interessieren, sind unver√§ndert. Der BSBD NRW vertritt deshalb weiter die Auffassung, dass eine grunds√§tzliche Verbesserung der Bewerberzahlen nur durch weitere zus√§tzliche finanzielle Anreize erzielt werden kann.

Bewerber mit Berufs- und Lebenserfahrung sind schwer zu finden

Der Vollzug ein schwieriges und weitgehend unbekanntes Berufsfeld. Es werden zudem vorrangig Kr√§fte gesucht, die bereits √ľber Berufs- und Lebenserfahrung verf√ľgen. Daher muss die Anw√§rterbesoldung so hoch sein, dass sich geeignete Bewerberinnen und Bewerber einen Berufswechsel auch leisten k√∂nnen. Gerade von den Erfahrungen dieses Bewerberkreises d√ľrfen nachhaltig positive Wirkungen auf die Umsetzung des Behandlungsauftrages erwartet werden. Diese Personengruppe ist aber erfahrungsgem√§√ü vielfach in finanzielle Verpflichtungen eingebunden, die mitunter die Aufnahme einer erneuten Berufsausbildung verhindern. Um bei der Anwerbung gerade solcher Bewerber nicht chancenlos zu sein, ist die Gew√§hrung von ausk√∂mmlichen Anw√§rtersonderzuschl√§gen unverzichtbar.

Die Konkurrenz um geeigneten Nachwuchs hat sich in den letzten Jahren derma√üen intensiviert. Die Pandemie bietet die Chance, dass der Vollzug mit seinen sicheren Arbeitspl√§tzen zu punkten vermag. Diese M√∂glichkeiten sollten genutzt werden, um die freien Stellen jetzt definitiv zu besetzen. Der BSBD NRW tritt deshalb f√ľr einen Befreiungsschlag ein, um das Personalproblem des Vollzuges grundlegend zu l√∂sen.

Anw√§rterbesoldung f√ľr weitere Laufbahnen verbessern

Der BSBD NRW wird angesichts der prek√§ren Situation bei der Nachwuchsgewinnung auf seiner Forderung beharren, die Sonderzuschl√§ge in Zukunft auf 90 Prozent des Grundbetrages f√ľr die Laufbahnen des Allgemeinen Vollzugsdienstes und des Werkdienstes zu erh√∂hen.

Daneben h√§lt es der BSBD NRW f√ľr erforderlich, die Zahlung eines Sonderzuschlages auch f√ľr die Laufbahnen des mittleren Verwaltungsdienstes und des gehobenen Vollzugs- und Verwaltungsdienstes vorzusehen. Bei der Gewinnung geeigneter Nachwuchskr√§fte ist der Vollzug derzeit nur bedingt konkurrenzf√§hig. Deshalb sollte bei diesen Laufbahnen die Einf√ľhrung von Sonderzuschl√§gen erfolgen.

Wird als notwendig erkanntes Handeln zu lange hinausgez√∂gert, besteht die konkrete Gefahr, dass mittelfristig geeignete Bewerberinnen und Bewerber kaum noch in nennenswertem Umfang f√ľr ein berufliches Engagement im Strafvollzug gewonnen werden k√∂nnen. Einer solch absehbaren Entwicklung muss unbedingt entgegengewirkt werden, weil sonst die √úberlastung des vorhandenen Personals nicht beendet werden kann. Die Politik riskiert in diesem Fall nicht nur den R√ľckgang der Motivation beim Personal, sondern auch einen Qualit√§tsverlust bei der Vollzugsgestaltung. Im Interesse des gesellschaftspolitischen Auftrages des Strafvollzuges und nicht zuletzt im Hinblick auf die Sicherheit der Allgemeinheit sollten diese Risiken unbedingt vermieden werden.

Die Pandemie bietet die einmalige Chance, mit geringem Mitteleinsatz den NRW-Strafvollzug in einem mutigen Schritt zukunftsf√§hig zu machen. Diese M√∂glichkeit sollten wir nicht ungenutzt verstreichen lassen, schlie√ülich droht die demografische Entwicklung die Lage k√ľnftig noch erheblich zu versch√§rfen.

Friedhelm Sanker

Foto im Beitrag © BSBD NRW